The Story

Was schreibt man an dieser Stelle über sich selbst, wenn man nicht klingen mag wie ein überkoffeinierter Werbetexter und den Menschen trotzdem was vermitteln will? Wir haben es mit einem zwanglosen Interview versucht ...

WIE KOMMT MAN DAZU MÜTZEN ZU MACHEN?

Irgendwann holt dich die Zeit ein. Bei mir war das vor drei, vier Jahren. Da habe ich gemerkt, dass ich nicht mehr 18 bin und lächerlich aussehe in den Klamotten, die ich eigentlich gerne trage. Die sind halt für junge Skater und Snowboarder gemacht. Und jung kann man bei mir leider auch nicht mehr sagen. Da ist mir aufgefallen, dass es für Leute wie mich, die ein bestimmtes Alter haben, sich aber noch jung fühlen, nichts gibt. Entweder du tust so, als wärst du noch jung – oder du ziehst dieselben Sachen an wie dein alter Herr. Damals ist gemeinsam mit Freunden, die ähnlich empfunden haben, die Idee entstanden, Produkte zu machen für unsere Generation, die irgendwie zwischen den Zeiten steht. Wir wollten Teile machen, die einen klaren Anspruch haben an das Design und an die Qualität. Dinge, die ein wenig aufsäßig, aber auch in ein Leben mit Familie zu integrieren sind. Verkürzt ist das die Idee hinter unserem Claim «Grownupstuff». Unsere Produkte sollen cool sein, aber keine Altersgrenze haben. Eines der schwierigsten Themen aus unserer Sicht waren Kopfbedeckungen. Ein gutes T-Shirt zu finden geht ja. Aber eine feine Mütze aufzutreiben, das ist echt schwierig. Es gibt mehr als genug Hauben für die Zielgruppe unter 18, aber die gehen nur auf der Piste. Und dann geht es wieder los mit ganz klassischen Teilen für die Altersklasse über 50. Für uns gab es praktisch nichts. Das ist auch ziemlich schwierig, weil Leute, die uns ähnlich sind, mal freeriden und am nächsten Tag eine Präsentation in Anzug und Krawatte halten. Wir möchten keine klassische Sportbekleidung machen. Wir wollen Produkte kreieren, die in allen Lebenslagen funktionieren: beim Spaziergang mit der Familie, auf Reisen, beim Schneeschaufeln vor dem Haus und natürlich beim Sport. Das hat sich offensichtlich noch niemand vorher in dieser Form überlegt. Und ich denke, das macht auch die Kraft der Marke aus. Dein Leben zwischen 25 und 45 ist extrem vielschichtig und du sehnst dich nach Dingen, die einfach sind, zu dir passen und die dich überall hin begleiten. Dabei hast du den Kopf noch voller Träume und willst gut aussehen. Das unter einen Hut zu bringen – im wahrsten Sinne des Wortes – ist nicht ganz einfach. Aber ich denke, wir haben das ganz gut hinbekommen.

WER STECKT HINTER RIGGLER?

Das «wir» spielt bei uns eine sehr große Rolle. Unsere Kollektionen und die Marke werden in einer Art Kollektiv entwickelt. Das Kernteam besteht aus vier Leuten, die alle in einem ähnlichen Alter und in ähnlichen Lebenssituationen stehen. Dabei verschwimmen die Grenzen. Wir stammen aus extrem unterschiedlichen Bereichen, aus Design, Wirtschaft, Sport und Kunst. Aber wir denken nicht in Aufgabenbereichen. Jede Stimme hat das gleiche Gewicht, egal woran wir gerade arbeiten. Wir entwickeln alles gemeinsam. Die Marke wird mit viel Herz vorangetrieben. Uns sind unsere Gefühle und Intentionen wichtiger, als harte Fakten aus der Marktforschung. Wir glauben daran, dass es viele Menschen gibt, denen es ähnlich geht wie uns. Dabei ist die Mischung aus Talenten und Ausbildungen im Grunde perfekt und spiegelt ziemlich genau die Kompetenzen wieder, die ein Unternehmen in unserem Bereich braucht. Das sieht man den Produkten an. Und das spürt man auch der Art an, wie wir auf dem Markt auftreten. Wir haben einen Weg gewählt, der sich klar distanziert vom üblichen Marken-Glamour. Die Menschen, die wir fotografien, kommen aus unserem Umfeld. Sie inszenieren sich nicht für uns, sie sind, was sie sind. Wie wir alle funktionieren sie im täglichen Machen und wie wir alle haben sie Momente, in denen sie zeigen können, wer sie im Herzen sind.

WIE LANGE MACHT IHR DAS SCHON?

Diesen Winter wird unsere dritte Kollektion auf den Markt kommen. Auf die ersten beiden Kollektionen hatten wir extrem gute Rückmeldungen. Die neue Kollektion ist mehr als vier mal umfangreicher als unsere erste und zeigt, dass wir uns dynamisch entwickeln. Unser Ziel ist es, auf der Basis bestimmter Grundsätze eine rechte Bandbreite zu bieten. Wir haben in der neuen Kollektion Mützen, mit denen du bei deinem Chef eine Gehaltserhöhung verhandeln kannst und solche, mit denen du ihm auflauern kannst, wenn er sie dir doch nicht gibt. Das Thema Hauben ist dabei ein erster Schritt. Wir haben uns diesen Bereich ausgesucht, weil er einem so unscheinbar vorkommt, aber trotzdem extrem schwierig ist. Hauben sind vordergründig nicht so wichtig wie die Jacke, aber der Kopf ist nun mal die exponierteste Stelle des Körpers, da schauen die Menschen ihrem Gegenüber am meisten hin. Dass wir mit unserer Marke einen Nerv getroffen haben, zeigt sich an den Reaktionen. Und das ermutigt uns auch, das, was hinter RIGGLER steht zu forcieren und daraus neue Produkte zu entwickeln, die den selben Spirit haben.

WIE KOMMT MAN ZU EINER RIGGLER-HAUBE?

Wir haben uns gegen den Trend dazu entschieden unsere Produkte über den klassischen Einzelhandel zu vertreiben. Die Begegnung von Menschen, der Händler vor Ort, ein Produkt in den Händen zu halten, das sind Dinge, die wir mögen. Dass es als Ergänzung einen Online-Store gibt, sehen wir nicht als Widerspruch. Es gibt halt Ecken, wo wir noch keine Händler haben und Menschen, die einfach lieber von der Couch aus shoppen. Was die Preise unserer Produkte angeht, machen wir da keinen Unterschied. So sind alle zufrieden: der Kunde bezahlt überall den selben Preis, online und beim Händler. Kauft er über's Internet übernehmen wir die Kosten für Versand und Verpackung, kauft er beim Händler, bekommt der die Marge, von der er lebt. Den kurzfristigen Ertrag der Marke stellen wir dafür gerne zurück. Wir denken da langfristiger. So wie halt bei den Produkten auch. Wir produzieren alle Teile in und um die Alpen. China war und ist für uns keine Alternative. Das hat natürlich seinen Preis, im wahrsten Sinne des Wortes. Wir sind aber selbst auch Teil der Zielgruppe und wissen, dass der Preis eines Produktes ein Thema ist. Wir wollen, dass unsere Kunden für ein reales Produkt bezahlen und nicht für ein Markenimage. Das ist bei uns gratis. So kommen Preise zustande, die für ein europäisches Produkt sehr attraktiv sind und mit denen wir auch auf die Länge gesehen ein erstklassiges Produkt liefern können.

Das Gespräch mit Christian Riegler führte Martin Obermayr.

 

Christian Riegler